Es ist für viele der erste Handgriff nach dem Aufstehen: Die Kissen werden aufgeschüttelt, die Decke glattgezogen und ordentlich über die Matratze gelegt. Wer das Schlafzimmer verlässt, möchte Ordnung hinterlassen. Doch was nach Disziplin und Sauberkeit aussieht, ist aus rein mikrobiologischer Sicht eine der unvorteilhaftesten Gewohnheiten, die man sich im Haushalt angewöhnen kann. Tatsächlich schadet die sofortige Akribie beim Bettenmachen nicht nur der Haltbarkeit der Textilien, sondern fördert ein Problem, das man eigentlich lieber aussperren würde.
Der Grund dafür liegt in der unsichtbaren Feuchtigkeit, die wir jede Nacht hinterlassen. Ein durchschnittlicher Erwachsener verliert im Schlaf bis zu einen halben Liter Flüssigkeit durch Schwitzen und Atemluft. Ein Großteil davon zieht direkt in das Bettlaken, die Matratze und die Bettdecke ein. Wer nun unmittelbar nach dem Aufstehen die Decke ordentlich bis zum Kopfende zieht, versiegelt diese Feuchtigkeit wie unter einer Glocke. Die Restwärme des Körpers bleibt darunter gespeichert – es entsteht ein feuchtwarmes Mikroklima, das die idealen Bedingungen für Hausstaubmilben bietet.
Diese winzigen Mitbewohner lieben genau diese Kombination aus Dunkelheit, Wärme und Feuchtigkeit. Für Allergiker ist das morgendliche Glattziehen der Decke daher oft der unfreiwillige Startschuss für gereizte Atemwege oder juckende Augen, da sich die Population der Milben in einem „gut gemachten“ Bett deutlich schneller vermehrt als in einem, das scheinbar unordentlich zurückgelassen wurde.
Die überraschend einfache Lösung für mehr Frische und eine längere Lebensdauer der Matratze lautet: Mut zur Unordnung. Statt die Decke glattzustreichen, sollte man sie nach dem Aufstehen komplett zurückschlagen – am besten so weit, dass das Fußende offen liegt und die Matratze großflächig atmen kann. In Kombination mit einem weit geöffneten Fenster für etwa zehn bis fünfzehn Minuten kann die gespeicherte Feuchtigkeit effizient nach draußen abtransportiert werden.
Wer den Anblick eines „unordentlichen“ Bettes tagsüber nicht erträgt, sollte mit dem Bettenmachen zumindest so lange warten, bis er das Haus verlässt oder den ersten Kaffee getrunken hat. Erst wenn die Textilien vollständig ausgekühlt und getrocknet sind, ist der Moment gekommen, das Schlafzimmer in den gewünschten optischen Zustand zu versetzen. Dieser kleine zeitliche Verzug sorgt für ein deutlich trockeneres Schlafklima und verhindert auf Dauer den muffigen Geruch, der oft trotz regelmäßigen Waschens der Bettwäsche entstehen kann. Ein kleiner Griff mit großer Wirkung für die Schlafqualität und die Hygiene im wichtigsten Rückzugsort der Wohnung.
Das gemachte Bett am Morgen: Warum Ordnung im Schlafzimmer der Gesundheit schaden kann
Es ist für viele der erste Handgriff nach dem Aufstehen: Die Kissen werden aufgeschüttelt, die Decke glattgezogen und ordentlich über die Matratze gelegt. Wer das Schlaf…