Es ist einer dieser Momente am frühen Morgen: Man greift nach dem weichen Kaschmirpullover oder dem schweren Strick-Cardigan, streift ihn über – und erst beim Blick in den Spiegel fällt es auf. An den Schultern ragen zwei seltsame Spitzen empor, fast so, als hätte man noch kleine Polster unter dem Stoff vergessen. Diese unschönen „Bügel-Beulen“ sind nicht nur hartnäckig, sie können die Fasern auf Dauer sogar dauerhaft überdehnen und das Kleidungsstück verformen.
Die Ursache für dieses kleine Alltagsproblem ist so simpel wie tückisch: Klassische Kleiderbügel sind für Hemden und Sakkos konzipiert, deren Schnitt durch feste Nähte stabilisiert wird. Bei Strickware hingegen sorgt das Eigengewicht des Materials dafür, dass sich die lockeren Maschen über den schmalen Enden des Bügels langsam, aber stetig nach unten ziehen. Je schwerer und hochwertiger der Pullover ist, desto schneller verliert er unter der Schwerkraft seine Form.
Die überraschend einfache Lösung erfordert weder neue Anschaffungen noch handwerkliches Geschick. Anstatt den Pullover wie ein Hemd über den Bügel zu streifen, nutzt man den sogenannten „Garderoben-Knick“. Dabei wird der Pullover zunächst einmal der Länge nach halbiert, sodass die Ärmel deckungsgleich aufeinanderliegen. Nun platziert man den Kleiderbügel so auf dem flach liegenden Pullover, dass der Haken in der Achselhöhle liegt. Im letzten Schritt werden der Rumpf und die Ärmel einfach über die Schulterstücke des Bügels nach unten geklappt.
Durch diesen Handgriff verteilt sich das Gewicht des Stoffes gleichmäßig auf den Bügel, anstatt punktuell auf den Schulterpartien zu lasten. Das Material wird geschont, und der lästige Effekt der „spitzen Schultern“ gehört der Vergangenheit an. Wer den Platz im Schrank hat, kann Strickware natürlich auch liegend lagern, doch für alle, die ihre Garderobe lieber hängend im Blick behalten, bewahrt dieser kleine Kniff die Silhouette der Lieblingsstücke über viele Saisons hinweg.
Das Rätsel der spitzen Schultern im Kleiderschrank
Es ist einer dieser Momente am frühen Morgen: Man greift nach dem weichen Kaschmirpullover oder dem schweren Strick-Cardigan, streift ihn über – und erst beim Blick in d…