Chris Markers

Das unterschätzte Zerren am Arbeitsplatz

Es ist ein fast reflexartiger Handgriff am Ende eines langen Arbeitstages: Der Laptop wird zugeklappt, die Kaffeetasse beiseitegeschoben und das Netzteil mit ein paar sc…

Das unterschätzte Zerren am Arbeitsplatz

Es ist ein fast reflexartiger Handgriff am Ende eines langen Arbeitstages: Der Laptop wird zugeklappt, die Kaffeetasse beiseitegeschoben und das Netzteil mit ein paar schnellen, festen Schwüngen um das schwarze Gehäuse gewickelt. Ordnung muss sein, besonders im Homeoffice, wo der Schreibtisch oft auch der Esstisch ist. Doch genau in dieser vermeintlichen Tugend verbirgt sich ein schleichender Verschleiß, der viele Nutzer früher oder später teures Geld kostet.
Wer sein Ladekabel direkt am Austrittspunkt des Netzteils straff um den Plastikblock führt, setzt das Material einer enormen mechanischen Spannung aus. In der Redaktion beobachten wir immer wieder, dass genau an dieser Stelle nach einigen Monaten die weiße oder schwarze Isolierung reißt. Was wie ein kleiner optischer Makel beginnt, ist oft das Todesurteil für das Zubehör: Ein Kabelbruch im Inneren kündigt sich meist durch einen Wackelkontakt an, bevor das Gerät irgendwann gar keinen Strom mehr liefert. Ein neues Original-Netzteil schlägt dann schnell mit 80 Euro oder mehr zu Buche.
Die überraschend einfache Lösung für dieses Problem stammt eigentlich aus der Bühnentechnik, lässt sich aber perfekt auf den heimischen Schreibtisch übertragen. Anstatt das Kabel direkt am Gehäuse unter Zug zu setzen, sollte man beim Aufwickeln eine kleine, lockere Schlaufe lassen – etwa so groß wie ein zwei-Euro-Stück. Erst nach diesem „Puffer“ beginnt man, den Rest des Kabels lose aufzurollen.
Dieser winzige Hohlraum nimmt den Druck vom empfindlichen Übergang zwischen dem starren Gehäuse und dem flexiblen Draht. Wer sich diesen Handgriff angewöhnt, schont nicht nur die dünnen Kupferlitzen im Inneren, sondern sorgt auch dafür, dass die Isolierung elastisch bleibt. Es ist eine dieser unscheinbaren Korrekturen im Alltag, die keinen Cent kosten, aber die Lebensdauer unserer ständigen Begleiter massiv verlängern. Am Ende gewinnt nicht die straffeste Ordnung, sondern die kleine, entspannte Kurve im Kabel.