Chris Markers

Die fatale Eile beim Heimkommen

Es ist ein fast mechanischer Ablauf an grauen Regentagen. Sobald man die Wohnungstür hinter sich zuzieht, folgt der obligatorische Griff zum Schieber des Regenschirms. E…

Die fatale Eile beim Heimkommen

Es ist ein fast mechanischer Ablauf an grauen Regentagen. Sobald man die Wohnungstür hinter sich zuzieht, folgt der obligatorische Griff zum Schieber des Regenschirms. Ein kurzer Druck, der Schirm klappt zusammen, und schon verschwindet er platzsparend in der dunklen Ecke des Schirmständers. Was auf den ersten Blick wie Ordnung aussieht, ist jedoch der sicherste Weg, das nützliche Accessoire vorzeitig zu ruinieren.
Wer nach einigen Wochen genau hinsieht, bemerkt oft kleine dunkle Stockflecken oder einen leicht modrigen Geruch, sobald der Schirm das nächste Mal aufgespannt wird. Das Problem liegt in den engen Falten des nassen Stoffes. Bleibt die Feuchtigkeit dort stundenlang gefangen, greift sie nicht nur die empfindliche Beschichtung an, sondern sorgt auch für feinen Flugrost an den filigranen Metallstreben. Die Mechanik wird mit der Zeit schwergängig, und der Stoff wird an den Knickstellen brüchig.
Dabei lässt sich die Lebensdauer des Schirms mit einer simplen Anpassung der Routine beim Betreten der Wohnung vervielfachen. Anstatt ihn fest verschlossen in den Ständer zu stecken, sollte er für kurze Zeit in einem halb aufgespannten Zustand ruhen dürfen. Wer im schmalen Flur keinen Platz für einen weit ausladenden Schirm hat, kann ihn einfach kopfüber in die Duschkabine oder die Badewanne stellen – und zwar idealerweise im „aufgeploppten“ Zustand. So kann die Luft ungehindert zwischen den Stoffschichten zirkulieren, das Wasser läuft restlos ab und auch die Gelenke trocknen vollständig. Dieser kleine Moment der Geduld verhindert nicht nur den typischen Geruch nach feuchtem Keller im Eingangsbereich, sondern sorgt auch dafür, dass die Mechanik beim nächsten Wolkenbruch geschmeidig bleibt und der Schirm über Jahre hinweg zuverlässig trocken hält.