Chris Markers

Das Ende der „Schulter-Ohren“ im Kleiderschrank

Es ist ein klassischer Moment an einem kühlen Morgen: Man greift nach dem kuscheligen Lieblingspullover aus Wolle oder feinem Strick, der ordentlich auf einem Bügel im S…

Das Ende der „Schulter-Ohren“ im Kleiderschrank

Es ist ein klassischer Moment an einem kühlen Morgen: Man greift nach dem kuscheligen Lieblingspullover aus Wolle oder feinem Strick, der ordentlich auf einem Bügel im Schrank hing. Doch beim Überziehen folgt die Ernüchterung. An den Schultern ragen zwei unschöne Ausbeulungen in die Höhe, die selbst durch Glattstreichen nicht verschwinden wollen. In der Modebranche werden diese Verformungen spöttisch „Schulter-Ohren“ genannt – ein Zeichen dafür, dass die Schwerkraft über das Material gesiegt hat.
Das Problem liegt in der Struktur von Strickwaren. Im Gegensatz zu fest gewebten Stoffen wie bei Hemden oder Blusen geben die Maschen von Pullovern unter dem Eigengewicht des Kleidungsstücks nach. Hängt der Pullover auf einem schmalen Bügel, lastet das gesamte Gewicht auf den zwei äußeren Punkten des Holzes oder Kunststoffs. Über die Zeit dehnt sich das Gewebe an genau diesen Stellen unwiderruflich aus.
Die Lösung ist ebenso simpel wie effektiv, erfordert aber ein kurzes Umdenken beim Einsortieren der Wäsche. Anstatt den Bügel wie gewohnt durch den Halsauschnitt zu schieben, wird der Pullover einmal vertikal in der Mitte gefaltet, sodass die Ärmel bündig übereinanderliegen. Nun platziert man den Bügel so auf dem flach liegenden Pullover, dass der Haken in der Achselhöhle liegt. Im letzten Schritt werden der Rumpf und die Ärmel einfach über die Schultern des Bügels nach unten geklappt.
Der Effekt ist sofort spürbar: Das Gewicht verteilt sich nun gleichmäßig auf die stabilere Querstange des Bügels, während die empfindliche Schulterpartie völlig entlastet wird. Wer seine Garderobe auf diese Weise umstellt, spart sich nicht nur den Ärger über verformte Kleidung, sondern verlängert auch die Lebensdauer feiner Textilien spürbar. So bleibt die Passform genau dort, wo sie hingehört – und die „Schulter-Ohren“ gehören der Vergangenheit an.